01.06.2016: anders ackern Konkret – Naturschutz im Ackerbau auf dem Laakenhof

Am Mittwoch, dem 01.06.16, fand auf dem Laakenhof eine Naturschutz-Beratung durch Veronika Campos, Fachberaterin von Bioland, statt.
Neben vielen Anregungen gab es zunächst mal ein dickes Lob für die bereits jetzt zum Betriebskonzept gehörenden Naturschutzmaßnahmen. Insbesondere seien 1,2 ha blühende Zwischenfrüchte (u.a. Phacelia und Buchweizen) ein wichtiger Beitrag zum Insektenschutz sowie zur Förderung der Honigbiene und für einen Betrieb dieser Größe sogar ein außergewöhnlich großer. Zukünftig werden wir unsere Zwischenfrucht-Mischung um Dill und Koriander zur Förderung der Schwebfliege, ein wichtiger Nützling im Gemüsebau, sowie um die Ringelblume ergänzen.

Neben vielen Anregungen gab es zunächst mal ein dickes Lob für die bereits jetzt zum Betriebskonzept gehörenden Naturschutzmaßnahmen. Insbesondere seien 1,2 ha blühende Zwischenfrüchte (u.a. Phacelia und Buchweizen) ein wichtiger Beitrag zum Insektenschutz sowie zur Förderung der Honigbiene und für einen Betrieb dieser Größe sogar ein außergewöhnlich großer. Zukünftig werden wir unsere Zwischenfrucht-Mischung um Dill und Koriander zur Förderung der Schwebfliege, ein wichtiger Nützling im Gemüsebau, sowie um die Ringelblume ergänzen.

Artenvielfalt durch Abmagern fördern

Wenn wir mähen und mulchen, lassen wir schon jetzt einen kleinen Bereich stehen als Rückzugs- und Fluchtort für Rehe, Hasen, Rebhühner usw. Zukünftig werden wir verstärkt darauf achten, das diese Bereiche mit anderen Strukturelementen in der Landschaft verbunden sind. Das verstärkt den ökologischen Effekt enorm. Wünschenswert ist es außerdem, den Grünschnitt auf gemähten oder gemulchten Flächen möglichst abzufahren um den Standort abzumagern. Der Hintergrund ist folgender: Auf Landwirtschaftlichen Flächen herrscht ein hohes Angebot an Nährstoffen, was bestimmte Arten fördert. Durch das Abmagern davon Randstreifen usw. können wir hierzu ergänzend Standorte schaffen, auf denen sich andere Arten wohl fühlen.

Die Beratungs-Tour führte uns zu drei Ackerstandorten, die wir langfristig weiter bewirtschaften werden: Zwei davon liegen in Sommersell (Enniger).

Eine Chance für den Kiebitz und Insekten

In Sommersell bietet die insgesamt offene Geländestruktur relativ gute Voraussetzungen für die Brut des Kiebitzes, eine Vogelart, die in Deutschland stark gefährdet ist. Der Kiebitz sucht sich im Frühjahr freie Flächen, z.B. auf einem Acker, damit er seine natürlichen Feinde wie den Fuchs frühzeitig sehen kann und legt seine Brut dann etwas versteckt in der Nähe ab. Auf einem unserer beiden Äcker haben wir, bedingt durch starke Vernässung einen Bereich, auf dem z.B. das Getreide kaum wächst und der so eine gute Brutumgebung bietet. Ergänzen können wir dies zukünftig dadurch, dass wir das Getreide auf einem Teil des Ackers in sogenannter weiter Reihe säen.

Angedacht ist darüber hinaus ein Blühstreifen zum Schutz und zu Vermehrung von Insekten. Auch hier ist ein drastischer Rückgang der Populationen in den letzten Jahren zu verzeichnen und Insekten sind natürlich auch eine wichtig Nahrungsquelle für den Kiebitz und seine Jungen. Damit sich diese Maßnahmen sinnvoll ergänzen, werden wir diesen Blühstreifen mit einigem Abstand zu dem Bereich, der sich für das Brüten eignet einsäen (um dem Fuchs kein Versteck zu bieten) und uns um eine möglichst frühe Einsaat bemühen, damit wir die Stelle nicht mehr befahren, wenn es schon Gelege von Kiebitzen gibt. Hier liegt übrigens ein großes Problem des Maisanbaus. Die späte Feldbestellung bei Mais begünstigt zunächst die Eiablage des Kiebitzes, da die Fläche ja lange ins Frühjahr hinein offen ist. Das Befahren der Äcker, z.B. zur Unkrautbekämpfung führt dann aber dazu, dass viele Gelege zerstört werden.

Die andere Ackerfläche in Sommersell möchten wir am hinteren Rand durch Feldgehölze aufwerten. Eine ganze Heckenreihe wäre für den Kiebitz wieder eher schädlich als nützlich. Außerdem werden wir dort einen Blühstreifen etablieren, der alle zwei Jahre seinen Standort auf dem Acker wechseln soll. Ein zweijähriger Blühstreifen blüht zwar im zweiten Jahr nicht mehr so sehr, aber auf dem Acker verbleibenden Stängel bieten auch im Winter einen wichtigen Rückzugsort für Insekten. Das der Streifen nicht längerfristig an einem Standort bleibt, hat den Hintergrund, dass es sonst sehr schwierig wäre, die sich etablierenden Beikräuter wieder „in den Griff“ zu bekommen. Man sieht: Naturschutz und Landwirtschaftliche Produktion stellen oft gegensätzliche Anforderungen. Wir versuchen beidem gerecht zu werden. Gerade darin sehen wir den wichtigen Beitrag von „anders ackern“.

Bestehende Naturschutzmaßnahmen sinnvoll ergänzen

Die dritte Ackerfläche liegt in der Laake, also in der Nähe des Laakenhof, und steht schon seit Jahren ohnehin unter Vertragsnaturschutz wegen des Vorkommens seltener Getreidebeikräuter, darunter die Rote-Liste-Arten Ackerrittersporn und Venuskamm, außerdem wilder Feldsalat. Ein Biologe des NABU Münster, der die Fläche vor einigen Monaten besuchte, meinte: „Wissen Sie, dieser Acker hat unter Naturschützern einen Ruf wie Donnerhall.“ Darauf sind wir natürlich ein wenig stolz und überlegten zusammen mit Veronika Campos, was man hier noch tun könnte. Es wurde deutlich, dass ein Blühstreifen hier die falsche Maßnahme wäre, da er die bestehende Flora verfälschen bzw. verdrängen würde. Wir haben uns daher für Feldgehölze, einmal an zentraler Stelle und in der Nähe der angrenzenden kleinen Kapelle entschieden.

Wann geht’s los? Nächstes Jahr werden wir die beschriebenen Maßnahmen in Angriff nehmen. Wer Lust hat, beim Pflanzen der Feldgehölze dabei zu sein, ist herzlich eingeladen. Meldet Euch einfach per email (kontakt@anders-ackern.de) oder Telefon (02525/2560).

Ein Wort noch zum Thema Förderung. Es gibt Förderprogramme, mit denen man sich z.B. für den Ertragsverlust, der durch die Blühstreifen entsteht, entschädigen lassen kann. Voraussetzung ist allerdings, dass man diese auf insgesamt einem halben Hektar ansät. Das schaffen wir nicht, wir haben uns aber entscheiden, diese Maßnahmen trotzdem in Angriff zu nehmen. Hier sollte aus unserer Sicht mehr an die Belange kleinerer Betriebe gedacht werden.