26. Mai 2023 – „Ackerland in Bauernhand!“

Wem gehört das Land, auf dem unsere Lebensmittel erzeugt werden? Um diese spannende Frage ging es am vergangenen Mittwoch Abend in der Alten Post in Drensteinfurt. Eingeladen zu der Veranstaltung „Agrarindustrie kompostieren – Aufbruch in einen Wandel der Landwirtschaft im Münsterland!“ hatten der Verein Anders Ackern aus Enniger gemeinsam mit dem Ortsverband von Bündnis 90 / Die Grünen.

Zum Einstieg in die Diskussion hörten die gut 50 Gäste zwei Impulsreferate. Friedrich Ostendorff, ehemaliger agrarpolitischer Sprecher der Grünen Bundestagsfraktion, wies darauf hin, dass das Höfesterben seit Jahrzehnten andauere. Darauf habe die Politik bis heute keine Antwort gefunden. Es mangele aus seiner Sicht an Angeboten an die Landwirtschaft, um den Umstieg auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise auch wirtschaftlich möglich zu machen. Ostendorff sieht die große Gefahr, dass gerade auch in der Schweinehaltung zahlreiche Betriebe aufgeben werden in den nächsten Jahren.

Antje Hollander von der jungen Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (jAbL) konnte anhand von konkreten Zahlen das Bild der sterbenden Höfe über die vergangenen Jahrzehnte darlegen. Sie warb dafür, die rechtlichen Rahmenbedingungen derart zu gestalten, dass das knappe Gut ‚Ackerland‘ nicht zur Spekulationsware verkommt. Am Beispiel von Baden-Württemberg konnte sie aufzeigen, wie sich LandwirtInnen im Wettbewerb um Flächen auch gegen große Konzerne behaupten können. Dabei sei es aus ihrer Sicht entscheidend, dass nicht allein der Preis sondern auch Kriterien wie nachhaltige Bewirtschaftung in Kaufverhandlungen berücksichtigt werden müssen.

Nach einer intensiven einstündigen Diskussion stellten sich neben Anders Ackern noch weitere Initiativen aus dem Münsterland vor. Die Regionalwert-AG finanziert aktuell fünf Projekte und hat die Ausgabe neuer Aktien noch bis zum 16.07.2023 laufen. In Rinkerode startet ein Gemüseacker-Projekt, an dem sich die BürgerInnen beteiligen können. Die Gruppe ‚Münster isst Veggie‘ erläuterte, wie man gemeinsam mit der Stadt Münster für eine Reduktion des Fleischkonsums wirbt.

In den zahlreichen kleineren Diskussionsrunden im Anschluss an die Präsentationen stand eine Aussage im Mittelpunkt: Landwirtschaft und VerbraucherInnen müssen näher zusammen kommen. Alle waren sich einig, dass eine derartige Veranstaltung wie in der Alten Post dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann.

www.wir-haben-es-satt-muenster.de

Von links nach rechts: Friederike von Brevern, Lars Fissahn (beide Anders Ackern e.V.), Antje Hollander (jAbL), Raphaela Blümer, Friedrich Ostendorff (beide Bündnis 90 / Die Grünen)